„Schwoafginkerl“,
„G´schwanzter Glutbatzl“, „Feirige Grammelspeier“
 |
Die Chronik Regensburgs weiß immer wieder von furchterregenden
Kometen zu erzählen. Die älteste Nachricht stammt aus
dem Jahre 1066, wo der Himmelserscheinung alsbald das Strafgericht
folgte: „Kometen wurden viele Tage gesehen und Emmeram wieder
durch Feuer verheert. Mauern, von Karl dem Großen erbaut,
fielen ein. Man glaubte Zeichen und Wunder zu sehen." (Gumpelzhaimer)
Mehrere Einblattdrucke geben Kunde von Kometen, die im 17. Jahrhundert
ihre Bahn am Regensburger Himmel zogen. Neun Jahre später,
1680, zog abermals ein Komet am Regensburger Himmel auf. Sein
Erscheinen erregte umso mehr Angst, als gleichzeitig Meldungen
vom Ausbruch der Pest in Böhmen hier eintrafen. Um von dem
„beleidigten Gott" an das Firmament gestellte „entsetzliche
Räch- und Zornrufe" abzuwenden, ermahnte der Rat alle
Bürger, der Kleiderpracht zu entsagen und einen stillen Lebenswandel
zu führen. Ferner wurde das „unanständige Schlittenfahren,
alle Winkeltänz und Mummerei" untersagt (Gumpelzhaimer).
Das Verbot wurde durch Trommelschlag in der Stadt bekannt gemacht.
Bei Augustin Hankwitz erschien ein Druck, der eine genaue Beschreibung
dieses Kometen gibt. Neun Tage lang war er um 5 Uhr abends zu
sehen und hat sich mit dem Sonnenuntergang zu einem „recht
entsetzlichen Anblick hervorgetan". Neben der exakten astronomischen
Lagebestimmung des Kometen fügt der Schreiber noch an: „Dörffte
Unglück genug: von Morgen und Abend kommen."
(Aus: Bauer, Karl: Regensburg. Aus Kunst-, Kultur-,
und Sittengeschichte. Regensburg 1988, S. 686)
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„Der Sansengeigl“,
„Da Zamrechara“
Personifizierungen des Todes.
Die Pest änderte vor allem auch in den sozialen
Bereichen des Mittelalters viele Dinge. Durch die Pflege von kranken
Angehörigen wussten viele Menschen, wie ansteckend die todbringende
Krankheit ist, die Folge war ein Verweigern der dringend benötigten
Hilfe und ein Zerfall der sozialen Bindungen. Die Menschen mussten
also mit anschauen, wie die familiären und gesellschaftlichen
Bindungen zerbrachen und damit auch die wohltuende Ordnung, auf
die man doch so stolz war. Damit rief die Pest bei den Menschen
nicht nur die eigene Vergänglichkeit wieder ins Gedächtnis,
sondern sie zeigte ihnen auch nur zu deutlich, wie bedroht sogar
die sozialen Strukturen sind, die eigentlich das Leben des Einzelnen
in einem feindlichen Universum schützen sollten. In diese
Zeit ist auch das Anwachsen der so genannten Totentänze zu
verzeichnen. Die Sense, eine Erfindung des 14. Jahrhunderts, wird
zum Symbol des Sensenmannes, des Schnitters – des Todes,
vor dem alle gleich sind ob arm, ob reich. Und noch 300 Jahre
später, nachdem die Pest in regelmäßigen Abständen
wiederkehrte entstand das Regensburger Schnitterlied.
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„Die
Doudenglöggler“
Schutz vor der Pest suchten die Menschen indem
sie sich mit Amuletten und Kreuzen behängten oder Zaubermixturen
zu sich nahmen. Die städtischen Wächter errichteten
derweil in jeder Gasse und auf jedem Platz große Scheiterhaufen,
um die Luft von den giftigen Pestdünsten zu reinigen. Tonnen
aus Eichen- und Wacholderholz wurden angezündet und loderten
Tag und Nacht. Die Reichen verließen die Städte und
begaben sich auf ihre Sommersitze auf dem Lande. Diejenigen, die
in der Pestverseuchten Stadt bleiben mussten, hielten Gefäße
oder Schwämme mit wohlriechenden Kräutern und anderen
Spezereien unter ihre Nasen, um ja den Pestdünsten zu entrinnen.
Man war mancherorts der Meinung, durch viel Lärm ließe
sich die Pest vertreiben und mit Schellen behangen Gruppen zogen
Tag und Nacht durch die Orte.
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„Die
Druggsguagl“
Die Menschen des 14. Jh. erklärten sich den
Ausbruch der Pest folgendermaßen:
"Im Oktober 1348 bat (der französische König) Philipp
VI. die medizinische Fakultät der Universität von Paris
um einen Bericht über das Unheil, das das Überleben
der menschlichen Rasse zu bedrohen schien. Mit gründlicher
These, Antithese und Beweisführung machten die Ärzte
die Dreierkonstellation aus Saturn, Jupiter und Mars verantwortlich,
die am 20. März 1345 in einen 40-Grad-Winkel zu Aquarius
getreten sei... Das Urteil der Pariser Gelehrten wurde als offizielle
Begründung für die Seuche anerkannt." Dabei muss
man wissen, dass im Mittelalter die Konjunktion von Saturn und
Mars grundsätzlich "Tod" und die Konjunktion von
Jupiter und Mars stets "warme Lüfte und Pest" bedeuteten!
So mussten die Pariser Wissenschaftler letztendlich zu ihrer Behauptung
gelangen! Die Bevölkerung konnte mit dieser "wissenschaftlichen"
Erklärung, dass die besondere Planetenkonstellation für
den Pestausbruch verantwortlich wäre, natürlich nichts
anfangen. Sie vermutete in der Pest, die sie sich als kleines
blaues Flämmchen, als Tier oder Dämon vorstellten, die
Strafe Gottes für die vielen Sünden.
Die Pest galt dem Volksglauben nach als Dämon oder als Geist,
der als Nebel. Flämmchen, Rauch, Tier oder Mensch erscheinen
konnte. Das Schießen, Läuten, Notfeuer oder Amulette
sollten angeblich zur Abwehr der Pest dienen. Man sah die Pesterkrankung
als Strafe Gottes für Sünden an und suchte Zuflucht
bei den Heiligen (Pest-Patrone). Im 14. Jahrhundert führte
der Bußgedanke zu Geißlerzügen und Geißlerliedern.
Es entstanden im 15. Jahrhundert Pest-Blätter mit Gebeten
und Holzschnittillustrationen von Pest-Patronen. Zur Erinnerung
an überstandene Pest-Epidemien wurden Pest-Altäre, Pest-Säulen,
Pest-Kapellen und Pest-Kränze errichtet.
"Die Skandinavier glaubten, dass eine Pestjungfer dem Mund
des Toten als kleine blaue Flamme entsprang und durch die Luft
flog, um das nächstliegende Haus zu infizieren. In Litauen
glaubte man, dass die Pestjungfrau rote Tücher in Fenster
und Türen flattern ließ, um die Pest einzulassen. Ein
tapferer Mann hat der Legende zufolge mit gezogenem Schwert an
seinem Fenster gewartet, bis er die Hand mit dem wehenden Tuch
entdeckte, um sie abzuschlagen. Er selbst starb an dieser Tat,
bewahrte aber sein Dorf vor der Pest, und das Tuch wurde lange
als Reliquie in der örtlichen Kirche verehrt."
Pestvogel kommt und kündigt an (er hat die Größe
eines Storches, schwarz mit weißem Kreuz auf dem Rücken)
"Ui, Ui, Ei, Ei, von hundert bleiben drei."
(Amberg-Schwandorf)
Vögel rieten auch zur Verwendung bestimmter Heilmittel. Als
man in Neustadt an der Waldnaab. Gegen die Pest zu Ehren des hl.
Felix eine Kirche baute, flog eine Ente über diese Kapelle,
die riet, Pimpinelle zu essen, dann bleibe man verschont.
In Waldkirch rief ein Vogel immer wieder "Eßt Bibernell,
dann sterbt ihr nicht so schnell". In Eßlarn sangen
die Vögel "Tout`s Pumlwurz grobn, dann tout`s Leben
davon trogn".
In Windischeschenbach hütete ein Hirtenknabe seine Tiere,
als er einen Stecken in einem Feldstein stecken sah. Als er den
Stock herauszog, kam eine Fliege heraus und hinter ihr Rauch,
sogleich brach die Pest aus.
Die Pest als nackte, schöne Frau, nur mit einem Schurzfell
bekleidet und einem viereckigen Gesicht, kommt aus Frankreich
und sendet Pestfliegen aus, die das Fleisch infizieren.
(Waldkirch)
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„D´Solbnkekkerer“
Personifizierungen der damaligen medizinischen Versorgung,
also Pestärzte, Quacksalber, Bader und Kurpfuscher.
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„Selbst zur Erklärung der Pest griffen
mittelalterliche Ärzte zumindest in gewissem Maß auf
die von den antiken Autoritäten vorgeschlagenen Konzepte
der Säftelehre zurück. So konnte diesen zufolge ein
Übermaß des nach seiner Eigenschaft als warm und feucht
klassifizierten Blutes zu einer gefährlichen Fäulnis
der inneren Organe, der Pest, führen. Vor allem durch verdorbene
Luft, aber auch durch bestimmte Speisen gelangte die verhängnisvolle
Fäulnis in den Körper. Leichtverderbliche Lebensmittel
mit starker Geruchsentwicklung, etwa Fisch und verschiedene Obstsorten,
standen in besonderer Weise in Verdacht, der Erkrankung Vorschub
zu leisten. Schlechte Ausdünstungen, die Miasmen, etwa aus
Leichen und den Kadavern verendeten Viehs oder von verunreinigten
Straßen und Gewässern, sorgten bereits nach antiker
Auffassung für eine gesundheitsgefährdende, epidemische
Erkrankungen hervorrufende Verderbnis der Luft. Diese so genannte
Miasmentheorie sollte sich zur Erklärung für die Ausbreitung
von Seuchen von der klassischen Antike bis zur Entdeckung der
Erreger in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts nahezu
unverändert halten.
Das Klima spielte nach zeitgenössischen Vorstellungen ebenso
eine Rolle für die Entwicklung von Miasmen wie die Windrichtung.
Nicht ganz zu Unrecht wurde auch der Hauch Erkrankter für
überaus gefährlich angesehen. Eine Auffassung, die durch
empirische Beobachtung ihre Bestätigung fand. Auf der Grundlage
der antiken Miasmentheorie entwickelte der umbrische Arzt Gentile
da Foligno im Angesicht der Bedrohung durch den schwarzen Tod
1348 sein Modell vom Pesthauch. Krankheitserregende Ausdünstungen
waren demnach von Land und Wasser emporgestiegen, um sich in verhängnisvoller
Weise wieder auf der Erde niederzuschlagen. Den Beginn dieses
unheilvollen Prozesses markierte nach den Ausführungen da
Folignos die ungünstige Konjunktion von Mars, Jupiter und
Saturn einige Jahre vor dem Ausbruch des schwarzen Todes.
Die Verknüpfung von Gestirnskonstellationen mit dem Seuchengeschehen
war nach zeitgenössischem Verständnis alles andere als
ungewöhnlich. Nicht nur die Astronomie, auch die Astrologie
galt als Wissenschaft und hatte ihren festen Platz im Rahmen der
mittelalterlichen Heilkunde. Zur Bestimmung des idealen Termins
für den Beginn einer Heilbehandlung oder eines chirurgischen
Eingriffs bediente man sich selbstverständlich ihrer an der
Konstellation der Himmelsgestirne ausgerichteten Empfehlungen“.
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„Da batzlauget
Schnobelhaggler (Basilisk)“
"Die geistige und materielle Not der Menschen
vergangener Jahrhunderte fand bildhaften Ausdruck in Form von
häßlichen, sagenhaften Tieren, sogenannten Basilisken.
Der Mythologie nach ist der Basilisk das giftigste aller Tiere,
eine Mittelnatur zwischen Eidechse, Hahn und Schlange. Sein Zischen
bringt Tod, sein Gifthauch versengt Bäume und Sträucher.
Andere Beschreibungen klingen noch abenteuerlicher. Nach ihnen
ist der Basilisk ein aus einem dotterlosen Hahnenei durch eine
Kröte auf dem Mist ausgebrütetes Tier. Sein Blick, der
sog. Basiliskenblick, galt für den Menschen als tödlich.
Nur das Wiesel [...] war imstande, das Verderben und Tod bringende
Tier zu töten. Das Bild des Basilisken brachte man des öfteren
an Bauwerken an, um sie vor Zerstörung zu bewahren und Dämonen
und Unheil von ihnen abzuwenden. In diesem Zusammenhang ist auch
das Relief eines Basilisken an der Steinernen Brücke zu verstehen,
die wie kein anderes Bauwerk der Stadt dem Wüten der Elemente
preisgegeben ist.
Nur wenige Regensburger werden diese unscheinbare, aber kulturgeschichtlich
nicht unbedeutsame Plastik entdeckt haben. In einer Rechtecknische
[...] sitzt eine phantastische Tiergestalt. Der Kopf, der dem
eines Hahnes nicht unähnlich ist, läßt den Ansatz
des Kammes, einen gekrümmten Schnabel und ein kleines Ohr
erkennen. Eine böse Gereiztheit scheint das Tier befallen
zu haben. Zornig schlägt es den glatten Schweif durch die
Hinterbeine auf den Leib, die Krallen klammern sich an der unteren
Steinkante fest. Die am unteren Nischenrand eingetiefte Jahreszahl
1733 dürfte wohl von einer späteren Erneuerung stammen."
(Aus: Bauer, Karl: Regensburg. Aus Kunst-, Kultur-, und Sittengeschichte.
Regensburg 1988, S. 285)
Auf alten Abbildungen wird er dargestellt als
Mischwesen zwischen Vogel und Schlange; meistens handelt es sich
dabei um ein Tier, das mit einem Hahnenkopf mit einer Krone darauf,
mit Hahnenfüßen (zwei oder mehreren) und einem Schlangenschwanz
abgebildet wird. Der Basilisk - so heißt es - besäße
den bösen Blick und jeder, den er ansehe, müsse sterben.
Sogar sein Hauch solle tödlich sein. Bei den häufigsten
Darstellungen des Basilisken dürfte es sich um Variationen
älterer Drachen- und Greifenbilder handeln. Im deutschen
Sprachraum wird dieses Fabeltier auch als "Korneidechse"
bezeichnet. Auch sprechen manche Quellen davon, dass es sich beim
Basilisken um den "König der Schlangen", bzw. der
Kriechtiere überhaupt handelt.
Die griechische Bezeichnung basileus (Basilisk)
deutet darauf hin, dass der Glaube an den Basilisken kein mitteleuropäisch-
bodenständiger ist, sondern vielmehr über die Antike
in den Orient zurückgeht.
Bereits die Ägypter kannten ihn unter dem
Namen sit; das Basiliskenei haben sie mit dem giftigen Ibisei
und den Basilisken selbst mit der Uräusschlange in Verbindung
gebracht.
Die Araber nannten ihn sif.
Plinius der Ältere (ein römischer Dichter):
"Der Basilisk ist eine Schlange (oder Eidechse), die auf
dem Kopf einen hellen Fleck in der Form einer Krone hat."
Im Laufe der Geschichte nimmt der Basilisk immer
mehr an Hässlichkeit und Grauen zu; im Mittelalter ist er
ein vierfüßiger Hahn mit einer Krone, gelbem Gefieder
und breiten, zornigen Flügeln; sein Schwanz ist wie der einer
Schlange und endet in einer Klaue oder einem zweiten Hahnenkopf.
Die Darstellung des Basilisken verändert
sich im Laufe der Zeit: In der Symbolik des späten Altertums
noch als Schlange / Eidechse dargestellt, wandelt er sich im Mittelalter
zum phantastisches Mischwesen (Hahn mit Schlangenschwanz, Zwitterwesen
zwischen Hahn und Kröte, seltener mit Löwenkopf).
Eine alte Chronik berichtet wie folgt:
"...Hat einen gekrönten Kopff zwey Spannen lang
seine Farbe ist schwarz und gelb. Die Augen sind rot
spitzig und so giftig daß wann er nur einen Menschen ansiehet
muß er davon sterben. Er wird von einem Hahn geboren
der Hahn legt in seinem letzten Alter ein Ey
aus welchem der Basilisk entspringt.
Bringet alles Vieh mit seinem bloßen Ansehen und Gepfeif
um
wer es nur höret kommt ums Leben."
Tirol/Thüringen/Böhmen: ein vollkommen
schwarzer Hahn legt im Alter von 7 Jahren ein Ei, aus dem er hervorgeht;
er lebt dann 100 Jahre und wächst unaufhörlich. Deshalb
lässt man einen schwarzen Hahn nicht lange am Leben, damit
er keinen Basilisken zeugen kann.
Spanien: jeder Hahn muss getötet werden,
bevor er 7 Jahre alt ist, damit er kein Basiliskenei legen kann.
Dies geschieht aus Angst vor dem "bösen Blick".
So sagt man "tenerse hecho un basilisco" oder "tener
ojos des basilisco", d.h. aufgeregt oder gereizt sein und
einen Basiliskenblick zu haben und zornig jemanden anschauen.
Portugal: ein 7-jähriger
Hahn legt ein Ei, aus dem eine Schlange oder Natter herauskriecht;
diese töten dann den Hausherrn, wenn sie ihn sehen, bevor
er sie gesehen hat.
China: man tötet einen
Hahn sogleich, wenn er ein Ei gelegt hat.
In der Naturgeschichte des chinesischen Gelehrten Pent Ao-Kangmu:
"Wenn ein wildes Huhn (Fasan), das sich mit einer Schlange
begattet hat, sein Ei am Boden liegen lässt, so entkriecht
ihm tausend Jahre später ein Drache, der wie eine Schlange
aussieht, aber 4 Füße hat und dem Menschen gefährlich
ist.
Hildegard von Bingen (ca. 1098-1179):
"Der Basilisk entsteht aus gewissen Würmern, die
etwas vom teuflischen Gewerk haben, wie die Kröte. Als sich
die Kröte einst trächtig fühlte, sah sie ein Schlangenei,
setzte sich zum Brüten darauf, bis ihre Jungen zur Welt kamen.
Diese starben; dann brütete sie das Ei weiter, bis Leben
in dasselbe kam, welches alsbald von der Kraft der alten (paradiesischen)
Schlange beeinflusst wurde. Als die Kröte Leben im Ei sah,
floh sie, das Junge aber zerbrach die Schale und schlüpfte
aus, gab aber sogleich einen Hauch wie heftiges Feuer, ähnlich
dem Donner und Blitz, von sich. Bis zum völligen Auswachsen
gräbt es sich 5 Zoll tief in den Boden, dann kommt es wieder
hervor und tötet alles, was ihm in den Weg kommt. Wo ein
toter Basilisk verfault, sei es auf dem Acker oder im Hause, verbreitet
er Verderben, Unfruchtbarkeit und Pestkrankheiten."
Ein mittelalterliches Gedicht:
"Wenn wer dich sah, lebendig ist, so ist erlogen sein Geschicht`,
denn wenn er nicht starb, kennt er dich nicht,
und starb er, so bezeugt er dich nicht."
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„Die
Boandlschloapfer“, „Die Grobnduscher“
Pestinmänner und Totengräber
 |
Man kann sich heute kaum mehr eine rechte Vorstellung
davon machen, welches Entsetzen die Kunde vom Auftreten der Pest
verbreitete. Der Chronist Leonhard Widmann weiß zu
erzählen, daß der Vikar Groll alleine aus Furcht vor
der Pest starb und ein Lehrer des Gymnasiums poeticum in der Gesandtenstraße
über das Abholen eines an der Pest verstorbenen Hausbewohners
derart erschrak, daß er tödlich vom Schlag getroffen
wurde. Aufgabe der Pestinmänner war es, kranke Personen nach
dem Lazarett zu bringen und die Pestleichen auf die Friedhöfe
zu überführen. Die Chronisten stellen den Pestinmännern
übereinstimmend ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Angesichts
der großen Ansteckungsgefahr sah sich der Rat gezwungen,
Landstreicher und Vaganten als Träger anzuwerben. Die
Pestträger, die durch ihr bloßes Erscheinen überall
Angst und Schrecken verbreiteten, entwendeten nicht nur den in
das Pestlazarett gebrachten Kranken Kleidungs- und Wäschestücke,
sondern erbrachen auch die ausgestorbenen Häuser und plünderten
die Wohnungen.
Die Gemütsroheit dieser Menschen, denen nichts grauenhaft
genug war, mag folgender Auszug aus den Aufzeichnungen des Johann
Christof Buzinger bezeugen, der zahlreiche historische Ereignisse
und merkwürdige Vorgänge in Regensburg in den Jahren
1701—1736 niedergeschrieben hat: „Die Pestinträger
raubten die Häuser aus, gingen mit denen Todten-Cörpern
sehr unbarmherzig um, wurffen sie von denen Stiegen herunter,
daß hier ein Fetzen vom Haar und dort ein Stück vom
Gehirn hängen blieb, wie ich solches im Pallweyischen Nebenhause
an der goldenen Hacken und bey denen Schwibbogen vor einem Niedermünsterischen
mit meinem Auge gesehen habe." Wie Vieh warfen sie die Leichen
auf die offene» Karren, deren Räder auf dem Kopfsteinpflaster
rumpelten, „als wann zwey Trommel gerühret würden".
Des öfteren fielen bei den nächtlichen Transporten Tote
vom Wagen und wurden am folgenden Tag auf der Straße gefunden.
Selbst angesichts des ständigen Todes scheuten sich die Pestinmänner
nicht, mit den im Lazarett untergebrachten und wieder genesenden
Personen „viel Hurerey" zu treiben. Von ähnlicher
Ehrfurchtslosigkeit war auch ein Teil der Totengräber. Die
Chronisten äußern sich mit Abscheu über sie, so
auch Buzinger, der eine beschämende Szene
aus dem Friedhof des Pestinhauses am Unteren Wöhrd mitteilt:
Als die Lazarettköchin von der Seuche dahingerafft war, warf
sie der Totengräber Zacherl, ein ehemaliger Gassenkehrer,
über die Achsel und trug sie in den Garten. Dort zog er sie
aus und durchsuchte ihre Kleider nach Geld. Da er aber nur eine
geringe Münze fand, steckte er ihr diese in das Nasenloch,
warf sie in die Grube und sprach: „Da lig Bestie, du hast
mir auch keine gute Suppe geben wollen."
(Aus: Bauer, Karl: Regensburg. Aus Kunst-, Kultur-,
und Sittengeschichte. Regensburg 1988, S. 724)
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Die
Theriakweiber: „D´Gsodbreierin“, D´Wirzmirz´l“,
„D´Greidlgischpel“, D´Speigredl“
Theriak
Zur Zeit der Pest gehörte Theriak zu den
kostbarsten und unentbehrlichen Heilmitteln. In früheren
Zeiten war Theriak außerdem ein beliebtes Mittel bei Zahn-
und Kopfschmerzen, Husten, Entzündungen im Hals, Verdauungsbeschwerden
und Menstruationsproblemen, ja sogar nach dem Biss giftiger Tiere
wurde es verabreicht.
Die alten Bücher empfehlen hier als mittlere Arzneigabe 1
Gramm Theriak
| Theriak venezian |
|
| fein gepulvertes Opium |
10 Teile |
| Xereswein |
60 Teile |
| fein gepulverte Angelikawurzel |
60 Teile |
| fein gepulverte Schlangenwurzel |
60 Teile |
| fein gepulverter Baldrian |
20 Teile |
| fein gepulverter Ceylonzimt |
20 Teile |
| fein gepulverte Meerzwiebel |
20 Teile |
| fein gepulverte Zitwerwurzel |
20 Teile |
| fein gepulverter Malabar-Kardamom |
10 Teile |
| mittelfein gepulvertes Ferrosulfat |
10 Teile |
| gereinigter Honig |
720 Teile |
Teilweise wurden für diese Rezepturen bis
über 300 verschiedene Ingredienzien verwendet. Venedig war
einer der Hauptproduzenten dieses fragwürdigen Medikamentes,
aber auch im Kloster St. Emmeran in Regensburg wurde dieses Medikament
hergestellt.
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„D´Doudenroaskinder“
Kriegswirren, soziale Missstände, Krankheit
oder einfach ausgesetzt – die Situation von Kindern und
Jugendlichen ist katastrophal. Teilweise bilden sie herumirrende
Gruppen, die, aus Not stehlend oft verfolgt werden. Oftmals geraten
sie in die Fänge skrupelloser Geschäftemacher, werden
zur Prostitution gezwungen, als Taschendiebe ausgebildet oder
alsprivate Zwangsarbeiter missbraucht.
Bei der Uraufführung zum Bürgerfest 2007 in Regensburg
wurden die Dodenroaskinder von Kindern der Hans- Hermann- Schule,
Regensburg, sowie Gastschülern aus Budapest gespielt.
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„Die
Goaslquaggler“, Geissler und Flagellanten
 |
Flagellanten traten während der Pest von
1348 - 1352 in sämtlichen großen Städten in Deutschland,
in Flandern und in Frankreich auf und schlugen sich vor dem Publikum
mit ihren Geißeln blutig, die mit eisernen Kreuzspitzen
bestückt waren. Überall waren ihre wohlgeordneten Prozessionen
zu sehen. In der Regel zogen 200 - 300 Flagellanten in Zweierreihen,
bekleidet mit kurzen Lendenschürzen oder mit ärmellosen
Sacktüchern, die sie wie ihre Hüte mit roten Kreuzen
versehen hatten,
bewaffnet mit ihren Peitschen, mit dem Blick gen Boden gerichtet,
barfuß an den neugierigen Stadtbewohnern vorbei.
Vor ihnen liefen die Anführer und Vorsänger, ausgestattet
mit Kerzen und prächtigen Fahnen aus Goldstoff oder Samt.
Die Kirchen läuteten anfänglich noch bei ihrem Erscheinen.
In den Hallen der Gotteshäuser schlugen sich die Flagellanten
die Rücken blutig, so daß diese blaufarbig entstellt
aufschwollen. Das Blut lief nach unten ab oder bespritzte die
nahen Wände der Kirche. Zuweilen trieben sie die eisernen
Stacheln ihrer Geißeln so tief in ihr Fleisch, daß
sie dieselben erst beim zweiten Versuch herausziehen konnten.
Dazu schrien sie, heulten laut und riefen Gott um Vergebung und
die Heiligen um Hilfe! Diese fanatische Bewegung fand nicht nur
Zulauf bei den Armen, sondern auch reiche Herren und Damen schlossen
sich ihr an.
Die Flagellanten wurden von einem Laienmeister geleitet, dem sie
zu Gehorsam verpflichtet waren. Sie durften sich nicht waschen
noch rasieren, weder ihre Kleider wechseln noch in Betten schlafen
und auch nicht ohne Erlaubnis ihres Anführers mit dem anderen
Geschlecht sprechen, geschweige denn verkehren. Frauen begleiteten
die männlichen Flagellanten in einem getrennten Zug. Meistens
bildeten sie den Schluß einer solchen Bußprozession.
Die Stadtbewohner begrüßten diese Geißler mit
Ehrfurcht und boten ihnen die Gastfreundschaft an.
Man tauchte seine Tücher in ihr Blut und verehrte diese dann
als Reliquien, die Schutz vor der Pest gewähren sollten.
Im Laufe der Zeit beanspruchten die Meister wie die Priester das
Beichtrecht, erteilten die Absolution oder legten den Bürgern
Bußen auf. Damit griffen sie nicht nur die Autorität
der Geistlichkeit an, sondern dezimierten auch die finanziellen
Einnahmen der Kirche. So verbot Papst Klemens VI. 1349 die Bewegung
und ließ die Widerspenstigen als "Meister der Irrlehre"
hängen oder köpfen. 1357 war diese Flagellanten-Bewegung
schließlich endgültig verschwunden.
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„Da
Wanstendarber“, „Da Kreizlbeisser, „D´Lausige
Stunkwurzen“
 |
Personifizierungen von Hungersnot, Schrecknissen
hervorgerufen durch Ungeziefer (Heuschreckenschwärme) und
Verwesungsgeruch.
Insgesamt scheint Europa in der Pestpandemie von 1347 bis 1351
ein gutes Drittel seiner Bevölkerung verloren zu haben. Nach
1356 brach die Seuche erneut in etlichen französischen Städten
aus, und bis 1670 gab es nicht ein Jahr, in dem nicht mehrere
Orte Frankreichs von der Krankheit heimgesucht worden wären.
Manche Gebiete blieben ganz verschont, andere entrichteten der
Pest periodisch ihren Tribut.
Im 15. Jahrhundert zeigt sich die Pest auch in Deutschland noch
nicht auf dem Rückzug. Sie durchzog in immer wiederkehrenden
Wellen das Land: 1449 bis 1453, in den Jahren 1463/64, zwischen
1480 und 1486, von 1494 bis 1499 und im 16. Jahrhundert setzten
sich diese Bewegungen fort. Während des Sommer 1665 wurde
die Stadt London von der Pest ergriffen. Auch der damals erst
5-jährige Daniel Defoe war Augenzeuge des großen Sterbens.
1772 erschien dann sein Buch „A Journal of the Plague Year
(Die Pest zu London).Das ganze öffentliche Leben lag darnieder
und die Stadt verlor während diesem Angriff rund 70000 Menschen.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts begann man in Italien richtige
Pestlazarette einzurichten, die aber erst um 1500 auch diesen
Namen erhielten. Venedig war die erst Stadt, die im Jahre 1423
ein eigenes Spital speziell für Pestkranke errichtete, um
die Kranken zu isolieren und sie bis zu Ihrer Genesung oder ihrem
Tod zu versorgen. Leider war öfters das Zweite der Fall,
denn in den Spitälern konnte sich der Erreger ungehindert
ausbreiten, und so kam fast niemand lebend aus solchen Einrichtungen
wieder hinaus.
Im selben Jahrhundert beginnt man auch in Deutschland die Pest
als eine regelmäßig wiederkehrende Erscheinung zu betrachten
und die Städte beginnen sich zur Wehr zu setzten. Die Stadt
Basel erläßt gegen 1400 zum Beispiel ein Seuchengesetz,
das allen von Beulenpest, Lungenschwindsucht, Epilepsie, Krätze,
Antoniusfeuer, Milzbrand und Aussatz befallenen Personen verbietet,
ihren Mitbürgern Nahrungsmittel anzubieten. Zuwiderhandeln
wird mit Ausweisung bedroht. 1678/79 flackert die Pest erneut
in Wien auf, und zwar in den Teilen der Leopoldstadt, die häufig
von Hochwasser überflutet wurden. Als man am Ende des Jahres
Bilanz zog, da bemerkte man, daß Wien niemals mehr Menschen
verloren hatte. Auch das alte Volkslied vom lieben Augustin entstand
übrigens während dieser Pest („Oh, du lieber Augustin,
alles ist hin").
In England gab es nach der Pest zu London von 1667 keine Epidemie
mehr, in Skandinavien mordete der schwarze Tod noch einmal 1712
in Malmö und in Mitteleuropa tauchte er zuletzt 1716 in Österreich
auf. Frankreich hatte 1720 und 1786 ein letztes Mal mit der Pest
zu kämpfen, und zwar beide Male in Marseille. Die
Bedrohung durch die Krankheit aber hielt an. Im Orient grassierte
die Seuche weiterhin und die Menschen wußten, daß
sie von dort aus wieder nach Europa übergreifen konnte. Und
das tat sie dann auch: 1816 schlug sie in Bai, 1819 in Mallorca
und 1828 in Odessa zu.
Es spielten sich regelrechte Horrorszenen ab. Todgeweihte, die
noch lebten, wurden ihrer Kleider und ihres Schmuckes beraubt,
vor den Blicken der Kranken wurden die Häuser geplündert
und oft wurden die halbverwesten und stinkenden Kadaver erst nach
einigen Tagen gefunden und dann begraben. Schnell brach die Infrastruktur
der Städte zusammen, weil Bäcker, Metzger oder Feldarbeiter
erkrankt oder schon gestorben waren. Die Straßen waren übersät
mit Leichen und boten einen grausigen Anblick. Schlimm war auch
noch, daß den Pestepidemien auch noch Hungernöte folgten,
weil Nahrungsmittel dezimiert wurden und Transportwege zusammenbrachen.
Und weil eine Krankheit andere Krankheiten nicht ausschließt,
wurde die geschwächte Bevölkerung auch noch von anderen
Epidemien heimgesucht.
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„Da
Zabbelviecherer“, „Da Wuambaegger“
Erkrankungen an Veitstanz und Antoniusfeuer
Tanzwut (Veitstanz)während der großen Pestepidemie
Während der Zeit des Schwarzer Todes im vierzehnten Jahrhundert
war eine Art der Tanzwut ein vielfach aus Verzweiflung beschrittener
Weg, dem Bewusstsein der Bedrohung durch die Epidemie zu entgehen.
Die Menschen tanzten so lange, bis sie in Ekstase verfielen, die
ihr Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschaltete.
Dadurch konnten sie so lange fortfahren, bis sie vor Erschöpfung
zusammenbrachen oder sogar starben. Auch hier wird von einer drogeninduzierten
Vergiftung (Engelstrompete) ausgegangen.
Antoniusfeuer
Hervorgerufen durch Mutterkorn, einem Schlauchpilz, dessen Genuss
meist tödlich endet. Ganze Landstriche wurden davon spätestens
ab dem 9. Jahrhundert dahin gerafft. Manche Wissenschaftler begründen
damit eine Theorie zur Untersuchung über Massenhysterien
in der frühen Neuzeit (etwa auch im Vorfeld der Französischen
Revolution) um den Beweis zu erbringen, dass vor allem die ländlichen
Unterschichten an Halluzinationen litten, die durch Mutterkorn
im Essen, in
der Scheune und selbst im Stroh, auf dem sie schliefen, hervorgerufen
waren. In Alpträumen wurden unterbewusste Ängste aktiviert,
und die Menschen sahen sich real bedroht von all den Wesen, vor
denen sie sich traditionell fürchteten, u. a. Hexen, Werwölfe
und Teufel, aber auch Räuberbanden etc.
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Der
Gankerlfritschler
Gankerl´n - im Bayerischen
soviel wie absonderliche Geschichten, kaum zu glauben. Jemand
der Gankerl´n erzählt, will einem einen Bären
aufbinden, meint man.
Fritschler, von fritscheln –
im Bayerischen einer, der heimlich ohne Wissen des Anderen solange
hinterfrägt, bis er alles weiß, was er wissen will.
Der Gankerlfritschler tritt im Spiel als Erzähler
auf und springt durch die Zeit.
Aus Überlieferungen, Fragmenten und tatsächlichen
Begebenheiten entwickelte der Autor des Stückes, Prof. Manfred
G. Dinnes, Personifizierungen von Ängsten, irrationalen Begrifflichkeiten
sowie abstrusen Verhaltensmustern, die aber – so schauerlich
es klingen mag – realen Charakter annehmen können.
Diese Gestalten übernehmen im Prozessionstheater ein Stück
Tatsächlichkeit, die aufzeigen kann, wie dünn die Decke
zivilisatorischer Errungenschaften ist – früher genauso
wie heute.
Die Kostüme entwickelten:
Ulrike Metzler- Fieber, Julia Dinnes- Vikari, Anita Lämmchen,
Ulrike Reil, Ingeborg Reymann, Friedrich Schmid
Requisiten: Lothar Fieber, Josef
Köstlmeier, Manfred G. Dinnes
Maske: Friedrich Schmid, Ingeborg
Reymann und Prof. Manfred G. Dinnes
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