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Sie meckert wie eine
Geiß, lacht wie ein Kobold, schnalzt wie ein Älpler
und ruft wie eine Unke. Sie wohnt in den Wipfeln der höchsten
Bäume, im dunklen Heustock im Stadl, geistert bei Nacht im
Haus, lagert an Kreuzwegen, sitzt in Haberfeldern und begleitet den
Krampus. Sie verfolgt die Holzfrevler, drückt die Schlafenden
als Alp, verdirbt Korn und Kuh, kündet den Tod an und schreckt
die Kinder. Wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um
ein zweigeschlechtliches Fruchtbarkeitswesen. Auf die
Zweigeschlechtlichkeit verweist zumindest ihr Name. Der erste Wortteil,
Haber - der wortgeschichtlich nichts mit dem gleichklingenden Hafer
(Getreideart) zu tun hat - deutet auf den altnordischen hafr und
angelsächsischen haefer den Ziegenbock hin. Die
Habergeiß ist somit eine Gestalt, die Bock und Ziege zugleich
ist. Eine andere Vermutung ist, dass die Habergeiß
ursprünglich Habergeist, Avergeist - wie im Schwedischen ein
gespenstischer Vogel "Geist" genannt wird - hieß.
In der nördlichen
Oberpfalz bei Wondreb und Waldsassen tauchte die Gestalt des
„Fetzenmoagls" auf. Diese Gestalt erschien meist in
Begleitung von Irrlichtern an Orten, an denen Totenbretter aufgestellt
waren. Bei Wondreb wurden diese Totenbretter nicht aufgestellt, sondern
über Bachläufe oder als Übergang an
sumpfigen Wiesen gelegt. Es galt der Brauch, dass die Seelen erst dann
frei wären, wenn diese Totenbretter verrottet wären.
Das „Fetznmoagl" stellt also eine gebannte Seele dar, die nun
ihrerseits darauf erpicht ist, Lebende ins Verderben zu führen.
In der Gegend von Schönficht sollen um Thomas auf ihrem Heimweg einmal drei Holzhauer von einer Fetzenmoagl in die Irre geführt worden sein. Man fand von ihnen keine Spur mehr. Erst als das Frühjahr allen Schnee und alles Eis dahinschmelzen ließ, fand man in einem Moortümpel das was von den Dreien übrig blieb: Eine Baumsäge, drei Äxte, ein paar Eisenkeile und einen Ohrring aus Silber. Der „bluadige Thamerl" In Altbayern jagte Thomas oft noch bis vor wenigen Jahren als der „bluadige Thameri", der blutbesudelte Thomas, vor allem den Kindern einen großen Schrecken ein, wenn er heranpolterte, mit seinem Hammer an die Stubentür pumperte und unversehens sein blutverschmiertes Bein zur Tür hereinstreckte. Dieser Brauch könnte, so wird vermutet, durch Metzger entstanden sein, die am Thomasabend nach der Schlachtung mit blutiger Kleidung in die Stube traten und von den Kindern für den „bluadigen Thameri" gehalten worden waren. Zur Ausstattung des „bluadigen Thameri" gehörten abgezogenes Bocks- und Ziegenfell, dem man große Zauberkraft zuschrieb. Im Bayerischen Wald schwingt Thomas als „Thamma mit'n Hamma" den Hammer des germanischen Donnergottes Thor und hetzt in wüster Verkleidung, mit Hörnern auf dem Kopf und mit Teufelsfratze, die Kinder durch die Straßen. Wen er erwischt, so lautet bisweilen die Drohung, dem schlägt er mit dem Hammer den Schädel ein. Des weiteren ist Thomas auch immer wieder in perchtenartiger Vermummung oder in Tiergestalt zu sehen. Andernorts tritt er als haariger, eiserner, Ketten-, Rumpel- oder Hollethomas, auch als strohverpackter Thomasnigl und Thomashuzn auf, der furchterregend maskiert vorwitzigen Kindern gerne mit Stecken, Ruten, Keulen oder Ketten droht. Die Perchten In uralter Zeit war das Auftreten der Perchten, dieser menschlichen Projektion übermenschlicher Mächte, etwas sehr Ernstes und Wichtiges: Vermummte Menschen konnten sich nicht nur vor ihresgleichen verbergen, sondern auch vor Geistern, konnten sie mit grauenhaften Fratzen und wildem Fell, mit Schellenlärm und Höllengetöse abwehren. So ließen sich das Böse bannen, Ängste bewältigen, Alpträume verarbeiten. Rauhnächte sind also eine Reise ins Unterbewusste, ein Spiegel der Seele. Die Rauhnächte reichen bis in die Antike zurück und haben sowohl römische als auch germanische Wurzeln, selbst in den indogermanischen Gesellschaften wie Japan, China und vielen anderen Kulturen finden sich diese Mythen. Zu dieser Zeit suchen die Seelen der Toten die Lebenden auf, die Rauhnächte sind eine Zeit der Wiederkehr der Seelen und des Erscheinens von Geistern. Dieser Brauch, dessen Verbreitungsgebiet im deutschsprachigen Raum sich von der Schweiz bis Böhmen, von Südtirol bis zur Oberpfalz erhalten hat, findet sich ebenso im Kaukasus, in den Pyrenäen oder den Abruzzen. In der finstersten Zeit des Jahres, begleitet von Kälte und Sturm, dachten sich unsere Ahnen die Welt von Unholden und Hexen beherrscht, die von Haus zu Haus schlichen, um Unheil zu stiften. Das erinnert an die germanische Mythologie, in der Gott Wotan auf einem Schimmel zur Walstatt reitet, gefolgt von Kriegern, Schlachtjungfrauen, begleitet von Wölfen, Hunden und fürchterlichem Brausen. Das ist sie, die Wilde Jagd. Noch grausiger als die Wilde Jagd, noch schrecklicher als das fürchterliche Treiben am Nachthimmel - in diesem Bestreben entwickelten sich die furchteinflössenden Masken der Perchtenläufer in den Rauhnächten, denen man im Voralpenland wie in den tiefsten Bergdörfern noch immer begegnen kann und denen selbst die christliche Religion nicht den Garaus machen konnte, sie allenfalls überlagert hat. Der Höhepunkt dieser Perchtenläufe ist nach heutigem Kalender der 5. Januar. Dieser Tag wird auch der „Öberschst" (Der Oberste) genannt. Dies dürfte damit zusammen hängen, das Orion seinen Höchststand erreicht. Dieses Sternbild wurde von den antiken Griechen mit dem Großen Jäger Orion identifiziert. Es wird auch die Vermutung geäußert, der Name leite sich vom Arkadischen Uru-anna, »Licht des Himmels«, ab und sei später von den Griechen übernommen worden. Die Germanen erkannten in dem Sternbild einen Pflug, die Wikinger wollten den Gott Thor erkennen, der den Gott Loki am Gürtel hängend über einen Fluss trägt. Jedenfalls könnte darauf noch der Brauch verweisen, in dieser Nacht nach den "drei Sternen" auszuschauen. Wie üblich wird aus Geschichte Legende und dann Mythos. Am Vorabend zum "Öberschten" zogen die "schiachen (hässlichen) Perchten" durch Dorf und Flur. Ursprünglich handelte es sich dabei um zwölf Burschen, die in dunkle Felle und Vermummungen gekleidet waren und kunstvoll geschnittene Holzmasken trugen. Eine Anzahl vermummter Gestalten folgte ihnen im geisterhaft flackernden Licht von Fackeln und Windlichtern, während Trommeln und Kuhglocken dröhnten und Peitschen knallten. Offensichtlich versinnbildlichte das Perchtenlaufen das ewige Naturgeschehen der Ablösung des alten Jahres durch das neue, zumal anderntags die "schönen Perchten", im Gefolge häufig die gefesselten "schiachen Perchten" der vergangenen Nacht, durch die Dörfer zogen. Der Name Percht ist mindestens seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Die Hexen In vielen antiken heidnischen Kulten gab es bereits das Bild der Schadenszauberin und kräuterkundigen Zauberin. Beispiele dafür sind die mythologischen Gestalten Kirke und Medea. Beides mächtige Zauberinnen, mit enormem Kräuterwissen und verschiedenen magischen Fähigkeiten, die sie einsetzen, um zu helfen und auch um zu schaden. Vor allem die antike Göttin Hekate war stark mit dem antiken Hexenglauben verbunden. Ursprünglich wurde sie als eine gütige und wohltätige Göttin angesehen, doch ab dem 5. Jahrhundert vor Christus wurde sie zur Schirmherrin aller magischen Künste. Man glaubte, sie würde die Zauberinnen anführen und von ihr würden sie ihre Künste erlernen. Die Hexenbilder des antiken Griechenlandes erinnern stark an die Hexenbilder, die im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit entstanden (Fähigkeit der Verwandlung, das Verhängen von Zaubern, Hexenflug, Kräuterwissen, Menschenopfer und Leichenmissbrauch). Der Hexenglauben ist ein paneuropäischer Volksglaube, dessen Wurzeln im heidnischen Götterglauben liegen. Diese weitgehende Übereinstimmung fällt nicht ins Auge, weil die Bezeichnungen regional unterschiedlich sind. So ist im postkeltischen Kulturkreis von Feen (Morgane etc.) die Rede, die gut und böse sein konnten, in Irland zweigesichtig dargestellt worden. Im postgermanischen Raum steht der Begriff Elfe primär für ein gutes Wesen, während es ansonsten eher wohl als Folge christlicher Indoktrination die böse Hexe gibt. Weder Fee noch Elfe wurden auf Menschen angewendet und somit auch nicht Gegenstand der Hexenverfolgung. Sie behielten ihren Charakter als mythische Wesen. Das märchenhafte Stereotyp der Hexe, nämlich einer alten Frau, die auf einem Besen reitet - hinzu kommt oft die Begleitung durch einen schwarzen Vogel (wahrscheinliche einer der beiden Raben Odins) oder eine Katze -, leitet sich von der Vorstellung eines Fabelwesens ab, das sich in Hecken oder eher in Hainen aufhält oder auf Grenzen reitet. Aus der Zaunstange, meist gegabelte Äste, wurde in der bildlichen Darstellung der Hexenbesen. Diese Version unterlag jedoch bereits christlicher Einflussnahme. Für das Bild von der Zaunreiterin gibt es verschiedene Erklärungen: Es könnte sich einmal um eine Art archaischer Waldpriesterinnen gehandelt haben, andererseits wird auch ein abstraktes Bild bemüht: Wesen, die auf Zäunen sitzen, befinden sich auf einer Grenze von kultiviertem Raum zur unkultivierten Natur. Zudem, wie auch im Fall der Hexe, könnte es ein geisthaftes Wesen genannt werden. So gesehen ist die Hexe eine Person, die zwischen beiden Welten vermitteln kann - aber auch heilende Fähigkeiten und hohes Wissen besitzt, und damit die Eigenschaften der vorchristlichen Kultträger. Der Begriff Hexe ist ein Sammelbegriff, der viele Ausrichtungen wie zum Beispiel "Incantata" (Beschwörende), "Bacularia" (Besenreiterin), "Herberia" (Kräuterfrau), "Strix" (Eule) und vieles mehr zusammenfasst. Von jeher sind die Bedeutungen Heilerin, Hebamme, Orakelsprechende, Zaubersprechende, Kräuterfrau, Hellseherin und weitere in der Bezeichnung Hexe eingeschlossen - alles Attribute, die auch der nordischen Freya, der irischen Brigid und anderen archaischen Göttinnen zugeordnet wurden. Mit dem Vordringen des Christentums wurden die heidnischen Lehren und ihre Anhänger dämonisiert. Die"bluatige Luzier"
Die Hexen
Ihre eigentliche Herkunft bleibt
im Dunkeln. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, das diese
Gestalten eine Ausgliederung der Perchten darstellen, die zeitlich
einhergeht mit der zunehmenden Verehrung des Nikolaus. Man darf nicht
vergessen, dass die Kulte stets einhergingen mit den sogenannten
Heischegängen. Diese Heischegänge waren sozialen
Randgruppen vorbehalten, die sich damit ein Zubrot verdienten. Dieses
Gebaren kennen wir heute noch von den Heiligen Drei Königen.
Auch Nikolaus und die Begleiter Krampus, Knecht Rupprecht (ruppiger
Percht) bilden somit eine Gruppe von Heischegängern.
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