Rauhnachtsgestalten

Ein Einblick in die Sagenfiguren, Geschichten und Geister, die das Mysterienspiel und die Rauhnachtsläufe des Regensburger Doana-Gsindl e.V. prägen.

Der Gankerlfritschler

Der Gankerlfritschler begleitet das Publikum durch die Rauhnacht und tritt als Erzähler und Sprecher auf. Er führt von Szene zu Szene, erklärt das Geschehen und verbindet die einzelnen Figuren und Sagen zu einem zusammenhängenden Mysterienspiel.

Die „Habergoas“

Die Habergoas ist ein unheimliches Mischwesen: mal klingt sie wie eine Ziege, mal wie Kobold, Unke oder Alpenrufer. Sie haust in Baumwipfeln, Heustadeln und an Kreuzwegen, geistert nachts durchs Haus und lagert auf den Feldern.

Sie verfolgt Holzfrevler, bringt Unheil über Korn und Vieh, erschreckt Kinder und gilt als düstere Vorbotin von Tod und Unglück. Ursprünglich wird sie als altes Fruchtbarkeitswesen gedeutet, in dem sich Licht und Schatten, Segen und Strafe vereinen.

Die „Nebelfrau“

In der nördlichen Oberpfalz, etwa bei Wondreb und Waldsassen, kennt man die Nebelfrau, auch Fetzenmoagl genannt. Sie erscheint bevorzugt an Orten, an denen Totenbretter lagen oder als Übergang über Bäche und sumpfige Wiesen dienten.

Nach alter Vorstellung sind die Seelen erst frei, wenn diese Bretter vergangen sind. Die Nebelfrau verkörpert eine gebannte Seele, die mit Irrlichtern durch den Nebel zieht und Wandernde in die Irre oder ins Verderben locken will.

Die „bluadige Luzier“

Eine alte Sage erzählt von einem Kind, das am Luciatag gar nicht zur Ruhe kommen wollte. Als die Mutter in ihrer Not die „bluadige Luzier“ ruft, entreißt ein Windstoß das Kind dem Fenster – es bleibt spurlos verschwunden.

Die bluadige Luzier wird als grausige Gestalt beschrieben, die Menschen aufschlitzt und den Bauch mit Steinen füllt. Ihr Tag ist der 13. Dezember: In dunkler Nacht streicht sie um die Häuser und schärft ihre Sichel. Ursprünglich geht sie auf Lucia zurück – eine Lichtgöttin und Künderin der Wintersonnwende, der bis heute in Skandinavien mit Lichterfesten gedacht wird.

Das „Mehlweibl“

Ein Müller, getrieben von Gier, arbeitet auch in den Rauhnächten unermüdlich weiter – trotz aller Warnungen. In der heiligen Zeit ruht niemand seine Mühle, doch er setzt weiter die Mühlsteine in Bewegung.

Da springt eines Nachts die Mehltruhe auf und ein schimmelbedecktes Weibsbild kriecht hervor. Sie blendet den Müller mit Mehl, die Mühle gerät außer Kontrolle und schließlich wird er von den Mahlsteinen erfasst und zermalmt. Am nächsten Tag ist von der Mühle nichts mehr übrig – eine Mahnung, die Rauhnächte und ihre Ruhegebote zu respektieren.

Das „Besenweibl“

In Teilen des Innviertels tritt das Besenweibl zusammen mit den Totenmaschkerern auf. Seine Aufgabe ist es, das nächtliche Treiben zu beenden und das Rauhnachtsgsindl hinauszuweisen.

Mit Besen, Sprüchen und strenger Haltung kehrt es die dunklen Gestalten „hinaus bis übers Jahr“ und setzt den rituellen Schlusspunkt. Beim Regensburger Doana-Gsindl beschließt das Besenweibl das Mysterienspiel und sorgt dafür, dass nach all dem Spuk wieder Ruhe einkehrt.

Die „Waldhexe“

Die Waldhexe lebt tief im Wald, geboren auf weichem Moos. Sie streift als arme Seele zwischen Bäumen und Felsen umher, sammelt Kräuter und hilft Mensch und Tier mit ihrem Heilwissen.

Wer den Wald und seine Geschöpfe achtet, den belohnt sie mit Glück, geheimnisvollen Gaben und niemals endenden Garnknäueln. Wer jedoch Raubbau betreibt oder Tiere quält, den straft sie mit Krankheit, Pech und unheilvollen Unfällen beim Holzschlag. Oft wird sie mit Gestalten wie Holzfräulein, Moosweibl oder Waldfrau in Verbindung gebracht und ist in weiten Regionen des deutschsprachigen und slawischen Raums bekannt.

Der „Wolf“

Der Wolf ist eine der vielschichtigsten Gestalten der Mythologie. In keltischen und germanischen Überlieferungen gilt er als edles, kluges und treues Wesen, das für Schutz, Loyalität und Familienverbundenheit steht.

Zugleich wohnt ihm etwas Bedrohliches inne: In manchen Sagen verschlingen Wölfe Sonne und Mond und läuten das Ende der Welt ein. Der Fenriswolf bedroht selbst die Götter und soll am Ende Odin töten. So bewegt sich der Wolf immer zwischen Schutzgeist, Totengeleiter und apokalyptischer Macht.

Der „Percht“

Perchten stehen in Verbindung mit der Göttin Perchta, die in verschiedenen Regionen auch als Frau Holle, Frau Gode oder Frau Frigg bekannt ist. Ihr Name wird mit „glänzend“ oder „hell“ in Verbindung gebracht.

Man unterscheidet Schönperchten, die Segen, Glück und Fruchtbarkeit bringen sollen, und Schiachperchten, die mit Hörnern, Fell und Lärm böse Wintergeister vertreiben. Typisch sind Masken mit mehreren Ziegen- oder Schafhörnern, ein Klappmaul und schwere Schellengurte, die bei jeder Bewegung dröhnen.

Der „Krampus“

Der Krampus – auch Kramperl, Knecht Rupprecht oder Bartl – ist im Alpenraum der furchteinflößende Begleiter des heiligen Nikolaus. Während der Nikolaus die braven Kinder belohnt, erinnert der Krampus die Unartigen an ihre Verfehlungen.

Sein Name geht auf das Wort „Krampen“ (Kralle) zurück. Mit Hörnern, Ziegen- oder Schaffell, Rute und Schellengurt wirkt er wie ein teufelsähnliches Wesen. Der Brauch reicht in vorchristliche Zeit zurück und mischt sich heute oft mit Perchtenläufen und anderen Winterbräuchen.

Die „Drud“

In den Rauhnächten fürchtete man das sogenannte Drudendrucken: Ein böser Geist fährt in einen Menschen, der sich nachts auf die Brust eines Schlafenden setzt und ihm den Atem abschnürt.

Eine Sage berichtet von einem Einödbauern, der Nacht für Nacht gequält wird, bis ihm ein Köhler mit Zauberbuch rät, in der Christmette auf einem besonderen Schemel Platz zu nehmen. Dort erkennt er schließlich die Drud – eine Dorffrau, die zwischen Menschengestalt und Ungeheuer hin- und herwechselt. Durch einen schützenden Drudenfuß kann der Bann gebrochen werden.

Der „bluadige Thamerl“

In Altbayern zog noch bis vor wenigen Jahrzehnten der „bluadige Thamerl“ umher: eine von Blut gezeichnete Gestalt, die mit Hammer und grober Kleidung vor allem Kindern Angst einjagte.

Der Brauch könnte aus der Arbeit von Metzgern entstanden sein, die nach der Schlachtung in blutiger Kleidung in die Stube traten. Im Bayerischen Wald erscheint Thomas am 21. Dezember als „Thamma mit’n Hamma“, jagt Kinder durch die Straßen und verkörpert zugleich Donnerkraft, Gericht und archaische Furcht.

Der „Klaubauf“

Die Herkunft der Klaubaufe liegt im Dunkeln, doch vieles deutet auf eine Ausgliederung aus dem Perchtenbrauchtum hin. Sie stehen in engem Zusammenhang mit den Nikolausbräuchen und den alten Heischegängen, bei denen Randgruppen um Gaben baten.

Gemeinsam mit Nikolaus, Krampus und Knecht Rupprecht ziehen Klaubaufe von Haus zu Haus. Der Name deutet bereits an, was sie tun: Sie „klauben“ die bösen Kinder zusammen, stecken sie angeblich in Sack oder Korb und führen sie mit sich, um zur Besserung zu mahnen.

Das „Durandl“

Das Durandl ist ein feuerlodernder Geist aus Glashütten, Hämmern und Schmieden. Eine Sage berichtet von einem bärenstarken Glasmacher, der in der Hitze der Nacht arbeitet, als plötzlich das Durandl im Feuergewand erscheint.

Wo das Durandl auftaucht, drohen Brand und Unglück. Zugleich kennt es das Geheimnis edler Gläser, allen voran des Goldrubinglases. Im Volksglauben leben in ihm die Seelen der Glasmacher weiter – zwischen Funkenflug, Ofenglut und zartem Glas.

Der „Scharfrichter“

Der Scharfrichter wirkt furchteinflößend, doch seine Rolle in der Rauhnacht ist eine beschützende: Er passt auf, dass keine ungebetenen oder bösen Geister das Gelände betreten.

Wer sich mit ihm anfreundet, merkt schnell, dass er nichts Böses will, sondern als Wächter die Grenze zwischen Spiel, Brauchtum und unerwünschten Mächten sichert.

Die „Hexen“

Die Figur der Hexe reicht zurück bis in antike heidnische Kulturen. Schon damals kannte man Gestalten wie Kirke oder Medea – mächtige Zauberinnen mit großem Kräuterwissen und der Fähigkeit, zu helfen oder zu schaden.

Über die Jahrhunderte mischten sich diese Bilder mit Volksglauben und christlicher Deutung: Waldpriesterinnen, Kräuterfrauen, Orakelnde und Heilerinnen wurden zunehmend dämonisiert. Unter dem Sammelbegriff „Hexe“ finden sich viele Rollen wieder – von der weisen Frau bis zur gefürchteten Zauberin.

Der „schwarze Engel“

Engel haben in vielen Religionen und Kulturen eine besondere Bedeutung. Der schwarze Engel verbindet diese Vorstellungen mit der Idee des gefallenen Engels und des Todesbegleiters.

In Verbindung mit Gestalten wie Luzifer und Azrael steht er für Übergang, Gericht und Trost zugleich: Er begleitet Seelen ins Jenseits, spendet den Hinterbliebenen Kraft und verkörpert die Würde dessen, der zwischen den Welten steht. In der Rauhnacht erinnert er daran, wie nah Leben, Tod und Hoffnung beieinander liegen.